Zur Geschichte der Volkssolidarität Halle (Saale)  
 

 

Die Anfänge


„Der Hitlerstaat brach zusammen, grauenhafte Not lag über Europa ... Städte und Dörfer, Fabriken und Werkstätten, Verkehrsmittel und Wohnungen wurden zerstört, Menschenleben ohne Zahl vernichtet.“ Mit diesen wenigen Worten wird in einer Broschüre der Volkssolidarität Sachsen-Anhalt aus dem Jahr 1948 die Situation kurz vor Ende des 2. Weltkrieges beschrieben, in der sich in vielen Städten mutige, entschlossene Menschen fanden um etwas gegen die heute fast unvorstellbare Not und Verelendung des deutschen Volkes zu tun. In Halle hatte sich am 12. April 1945 noch während der Kampfhandlungen eine Gruppe von Männern mit Professor Lieser, dem Kaufmann Eduard Bickel und Georg König in einem Haus am Domplatz getroffen, um erste Hilfsmaßnahmen festzulegen. Bereits am 05.05.1945 wurden erste Richtlinien für diese neue Volksbewegung festgelegt, die ab diesen Zeitpunkt unter dem Namen „Wiedergutmachungswerk im Neuaufbau“ die notwendigen Hilfsmaßnahmen speziell für Kriegsversehrte, Waisenkinder, Hinterbliebene, aber auch für ehemalige politische Häftlinge organisierten. Mit der unmittelbaren Führung der Hilfsaktion wurde der Kaufmann Eduard Bickel aus Halle, Burgstraße 39, beauftragt. So wurde er unter anderem verpflichtet alle Spenden und deren Verwendung buchmäßig zu führen und wichtige Vorgänge schriftlich festzuhalten.
In den ersten Tagen und Wochen beschränkte sich die Tätigkeit des Wiedergutmachungswerkes im Neuaufbau auf die Annahme und Verteilung von Sachspenden, da größere Sammelaktionen von der amerikanischen Besatzungsmacht zunächst nicht genehmigt wurden. Schnell wurden die Gründungsräume am Domplatz 1 zu eng für die stark anlaufende Hilfstätigkeit, so dass die Stadt vorübergehend die Polizeikaserne in der Reilstraße und dann das Grundstück Burgstraße 46 (Lehmannsche Villa) der Wohlfahrtsarbeit des eingetragenen Vereins zur Verfügung stellte. Schon im Laufe des Jahres 1945 nahmen die überall in der Ostzone entstehenden Hilfswerke, wie z. B. die Mansfelder Volkshilfe, die Brandenburger Aktion „Rettet das Kind“, „Heim und Arbeit“ in Mecklenburg und die Aktion „Volkssolidarität gegen Winternot in Sachsen“ derartig an Umfang zu, das eine zentrale Koordination auf Landesebene notwendig wurde. Die am 24.10.1945 durchgeführte Konferenz zur Gründung der Volkssolidarität gegen Wintersnot gilt bis heute als der offizielle Gründungstermin des Vereins Volkssolidarität, obwohl die Geschichte in einigen Ländern anders verlaufen ist, so auch in der damaligen Provinz Sachsen-Anhalt. Hier wurden zunächst vom Präsidium der Provinzialverwaltung mit Beschluss vom 29.11.1945 die rechtlichen Grundlagen für die Fürsorgetätigkeit bestimmt. Am 26.11.1945 wurde unter Mitwirkung der antifaschistischen Parteien des Freien Deutschen Gewerkschaftsbundes, des antifaschistischen Frauenbundes, der beiden christlichen Kirchen und der jüdischen Religionsgemeinschaft das „Hilfswerk der Provinz Sachsen-Anhalt“ gegründet. Nach einem Beschluss der Landesregierung vom 04.09.1947 wurde das Hilfswerk der Provinz Sachsen-Anhalt in „Volkssolidarität Sachsen-Anhalt“ umbenannt, um so eine Übereinstimmung mit den anderen Hilfswerken der russischen Besatzungszone zu erreichen. Mit der Bildung eines Zentralausschusses der Volkssolidarität in Berlin, wurde der Vereinheitlichungsprozess der zahlreichen Anfang 1945 gegründeten Hilfswerke abgeschlossen. Trotz unterschiedlicher politischer Zielstellungen während der DDR-Zeit sind die bereits 1945 festgelegten Grundsätze wie Solidarität und Fürsorge für die Schwächeren, gegenseitige Achtung und Unterstützung, Hilfe zur Selbsthilfe und vor allem ein tätiges „Miteinander- Füreinander“ immer Grundlage der Arbeit von Tausenden Mitgliedern der Volkssolidarität geblieben.


Der Neubeginn


Die friedliche Revolution 1989 und die Einheit Deutschlands 1990 war der Beginn einer grundlegenden Reorganisation der Volkssolidarität. Damals standen wir vor der fast unlösbar erscheinenden Aufgabe, den Verein mit seinen tausenden ehrenamtlichen Helfern zu erhalten, die ca. 4.000 Hilfsbedürftigen weiterhin zu versorgen und gleichzeitig völlig neue Strukturen aufzu bauen. Das alles vor dem Hintergrund, des sehr schnellen Wandels aller gesellschaftlichen Verhältnisse im Prozess der deutschen Vereinigung. Dass nicht nur ältere Menschen Probleme hatten, dem sehr rasanten Einigungsprozess zu folgen, wissen wir sicher alle noch. Aber gerade in solchen Umbruchzeiten hat sich unser Verein, wie auch schon in den Jahrzehnten zuvor, als „vertraute Heimstatt“ bewährt. Die einfache menschliche Zuwendung, das Gefühl, nicht allein gelassen zu werden, hat sicher Vielen geholfen, mit all dem Neuen besser zurechtzukommen. Auch die über 700 Mitarbeiter der damals 3 Stadtbezirksausschüsse in Halle und Halle-Neustadt wussten bis Ende Oktober 1990 nicht so genau, wie es weitergeht, zumal es keine Anweisungen von „oben“ mehr gab. Deshalb wurden mit der Eintragung des Stadtverbandes Halle der Volkssolidarität in das Vereinsregister als „Volkssolidarität 1990 e.V. Halle (Saale)“ am 08.11.1990 zunächst einmal die rechtlichen Grundlagen für unsere weitere Arbeit gelegt. Wenige Tage später waren auch die finanziellen und strukturellen Fragen der künftigen Vereinstätigkeit geklärt. Mit der Errichtung von 5 Sozialstationen und der Übernahme des ersten Pflegeheimes 1991 kamen neue Tätigkeitsfelder zum bisherigen Leistungsprofil hinzu. Damit waren die Weichen für unser heutiges Erscheinungsbild als „gemeinnütziger Verein der Altenhilfe“ gestellt.
Allerdings ging das alles nicht von allein. Ohne den festen Willen der Mitarbeiter und Mitglieder, auch bei noch so großen Problemen unsere Arbeit fortzusetzen, und der von Anfang an sehr starken Unterstützung durch die Bevölkerung sowie durch Ämter und Behörden der Stadt Halle, das Landes Sachsen-Anhalt und des Bundes sowie vieler Anderer wäre uns die positive Entwicklung bis heute nicht gelungen. Seit dem Neubeginn hat unsere Tätigkeit auch dazu beigetragen, das Stadtbild positiv zu verändern. Von Trotha bis Ammendorf wurden einige Bauruinen in wahre „Schmuckkästchen“ verwandelt und zu kulturellen, sozialen und pflegerischen Zentren der jeweiligen Wohngebiete entwickelt. Das „Senioren-Service-Zentrum Böllberg“, die „Sozial- und Kulturzentren Halle-Neustadt und Südstraße“ seien nur beispielhaft erwähnt. Manches ging schnell, anderes, wie z.B. unsere Pflegeheime im Böllberger Weg brauchten 10 Jahre. Immer waren und sind unsere, nur mit Förderung möglichen Baumaßnahmen, mit der Sicherung und Neuschaffung stabiler Arbeitsplätze und einer neuen oder besseren und vor allem nachhaltigen Angebotspalette und Qualität für die Bürger der Stadt Halle verbunden. Bei all dem berechtigten Stolz auf das seit 1990 Erreichte vergessen wir natürlich unsere Wurzeln nicht. Überall gilt der 24.10.1945 als Gründungstag. Das ist sicher auch richtig so. Wir wollen aber nicht vergessen, dass es in unserer Heimatstadt Halle (Saale), wie auch in anderen Städten, bereits am 12.04.1945 mutige Bürger gab, die an diesem Tag das „Wiedergutmachungswerk im Neuaufbau“ gründeten, aus dem später die Volkssolidarität Halle als Bestandteil des „Hilfswerkes des Landes Sachsen-Anhalt“ hervorging. 1990 verlief der Entwicklungsprozess unseres Vereins genau andersherum, zumindest in Halle.

Manfred Schuster
Geschäftsführer

 

Jubilaeumsausgabe 20 Jahre  

Festzeitschrift zum 20jährigen Bestehen des Vereins Volkssolidarität 1990 e.V. Halle (Saale)

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 Festzeitschrift 25 Jahre 1  

Festzeitschrift zum 25jährigen Bestehen des Vereins Volkssolidarität 1990 e.V. Halle (Saale) und 70 Jahre Volkssolidarität 

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